| Die Geschichte des Sosaer Bergbaues ist sehr vielseitig, und kann leider hier nicht komplett aufgeführt werden. Hier können Sie einen kleinen Einblick gewinnen, wie der damalige Sosaer Pfarrer M. Christian Heinrich Hecht in seiner Chronik "Geschichte des kursächsischen Bergfleckens Sosa im Meisnischen Obererzgebirge" von 1778 den Sosaer Bergbau betrachtete:
... Der Bergbau ist um Sosa allezeit sehr ansehnlich gewesen, so wohl in alten als auch in neuen Zeiten. Wie fleisig die alten Harzer Bergleute hier müssen geschürfet und gebauet haben, das siehet man aus den alten Halten und vielen Reiten, die aber nunmehr sehr mit Holz bewachsen sind, und Pingen, welche hier häufig angetroffen werden. Pingen sind aber Merkmale von alten eingegangenen Schachten, wo etwa noch ein alter Strumpf oder Stock von Schachtholz zu sehen ist. Es kommt dieses Wort auch aus der wendischen Sprache, wo Pink einen Kloz, Stock oder Stamm anzeigt. Daher sollte es Pinken statt Pingen heisen.
Man bauet aber hier sehr vieles Eisen und Zinn. Einen Aquamarin, drey Loth schwer, fand Sebastian Unger, ein Seifner, im Monat November im Jahr 1737 in seinen hundert Lachter Seifengebirg am Wurzbächel, welchen er dem Bergamt zu Eibenstock überlieferte, von da er in das Oberbergamt nach Freyberg und endlich an Ihre Königliche Majestät und Kurfürstliche Durchlauchtigkeit, Friedrich August den Zweyten, selbst gekommen ist. Der Seifner erhielt dafür zehen Thaler zur Belohnung. Auch Wismuth ist zu Anfang und in der Mitten des sechzehnten Jahrhunderts gebauet worden.
Der bekante Peter Albin, in seiner meisnischen Chronik, gedenket einer solchen Zeche, welche zwischen Sosa und Blauenthal nebst etlichen Pochwerken gelegen hat, und zu der gedachten Zeit noch höflich gewesen ist. Die Blauen von Nürnberg haben diese Zeche gebauet und verleget. Sie muß eine ansehnliche Ausbeute gegeben haben, weil damals der Landesherr in einer Zeit von zwey Jahren zum Funfzehenden allein fünf Zentner und vier Pfunde bekommen hat. In den nachfolgenden Zeiten ist aber diese Zeche liegen geblieben.
Jedoch ist sie vor ohngefehr zwanzig Jahren wieder aufgemacht worden, da man denn auf zwanzig Zentner Wismut gefunden hat. Man hat sie aber wegen der Teufe und Wässer wiederum liegen lassen müssen. Im Jahr 1776 machte man sich abermals über diese Zeche, aus welcher man nunmehr Kobalt fördert, welchen die Alten nicht geachtet haben. Es wird diese Zeche nunmehr Sosaer Glück genennet.
An Zinn ist sonst der Auersberg sehr ergiebig gewesen. Die älteste Zeche daselbst, von welcher man noch einige Nachricht hat, ist die Bärenzeche, welche im funfzehenden und sechzehenden Jahrhundert beleget gewesen ist. Die Johanniszeche hat ausnehmende Ausbeute gegeben, die aber nunmehr sehr verschwunden ist. Gangbar sind noch auf dem Auersberg Kurhaus Sachsen Erbstollen nebst Segen Gottes Fundgrube, Samuelsfundgrube, Großzechefundgrube, Grünetannefundgrube, S. Johann nebst zugehörigen Sechsbrüder- und S. Georgenstollen, Junge Gottessegenfundgrube. Es haben aber die Zwitter nicht allein ihre streichenden Gänge, oder ganze Stöcke, wie anderes Erz, sondern man findet auch Zinn unter dem Mot, welches geseifet wird. Solcher Seifenwerke sind sehr viele in den hiesigen Gegenden.
Den Ursprung derselben sucht man darinnen, da man glaubt, der Zinnstein sey bey der Sündfluth von den Gängen abgerissen worden, und hernach in den Gründen liegen geblieben. Unter solchen Seifenwerken ist in der hiesigen Gegend noch beträchtlich Neunhundert Lachter Seifengebirge an Sauschwemme. Es ist dieses Seifengebirge erst gar nicht geachtet worden, wie es denn ein gewisser Bergmann, welcher Schuhfleck geheisen hat, für ein Viertelzentner verkaufet hat.
Allein es hat in folgenden Zeiten ungemeine Ausbeute gegeben. Es würde sich noch ergiebiger Zeigen, wenn mehr Wasser dahin hätte können gebracht werden. Wie der selige Herr Johann Paul Oettel in seiner alten und neuen Historie der Bergstadt Eibenstock anführet, so hat dieses Seifenwerk vom Jahr 1643 bis 1671 an Ausbeute 19596 Gulden 20 Groschen 6 Pfennige gegeben. Ueberdies sind noch an Seifenwerken gangbar Hundert Lachter Seifengebirge am Hollauer Grund bey dem Auersberg, ferner Sechshundert und Siebenhundert Seifengebirge am Steinbach, welche beyde einer Gewerkschaft gehören.
An Zwitterzechen sind noch gangbar, Johannisfreude, ist gleich bey Sosa, hält Zwitter und Eisenstein zugleich, giebt aber sehr wenig; ferner Friedemann- und Rothemannfundgrube, macht sehr gute Hoffnung. Es ist dabey ein Pochwerk mit sechs Stempeln. Alle übrige Zwitterzechen, die man sehr häufig um Sosa angetroffen hat, sind liegen geblieben, und zwar wegen Mangel des Verlages und der Gewerken, ob sie gleich noch bauwürdig wären.
Gangbare Eisenzechen sind folgende: Friedefürst- und Osterlammsfundgrube am Erlabrunnen, von welchem der gelehrte Herr M. George Körner in seiner Chronik des Bergfleckens Bockau einen ausführlichen Bericht ertheilet. Man findet da Zwitter und Eisenstein zugleich. Ferner, Viergesellenfundgrube nebst zugehörigen Aarons- und D. Luthers Fundgrube, alte und junge Friedrichsfundgrube, Friedefürst-, Abrahams-, Osterlammsfundgrube, Altemannfundgrube, Unverhofteglücksfundgrube, Hornsteinigte zwey, drey, vier unter Masen, Elisafundgrube und Sosaer Kommunstollen, sämtlich am Riesenberg gelegen. Endlich Michaelis-, Segen Gottes und S. Johannisfundgrube an der Spitzleite. Hier findet man unter dem gewöhnlichen Eisenstein Eisenstein auch so reichhaltigen, daß derselbe, ohne gepocht zu werden, kann in den hohen Ofen gebracht werden, wo er gleich zu Eisen schmilzt. Zu Sosa selbst sind an dem Sosaerbach noch zwey gangbare Eisenzechen, nemlich Andreasfundgrube und Schickung Gottes Fundgrube. - Kobaldzechen sind gangbar: Gott segne beständig Fundgrube an der Spitzleite und Sosaer Glück auf dem Dürrnberg bey Sosa, welcher Zeche oben bereits von mir gedacht worden ist.
Es ist auch hier in Sosa eine Bergknapp- und Brüderschaft, welche am 4. November im Jahr 1705 vom König und Kurfürst Friedrich August dem Ersten ist bestätigt worden. Es werden auch jährlich vier Bergpredigten gehalten, nemlich am Fastnachtsdienstag, am Marien Magdalenentag, am Kirchweihfest und am ersten Weihnachtsfeiertag frühe in der Metten um vier Uhr. Am Fastnachtsdienstag und am Kirchweihfest pflegt die hiesige Bergknappschaft einen feyerlichen Aufzug in und aus der Kirche unter Bergmusik zu halten. Die Predigten werden in bergenzenden Redensarten gehalten, wobey Berglieder gesungen werden. ...
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